Hoch hinaus: Justin Carrs Tipps in die DSLR-Digiskopie
Was als einfache Naturbegeisterung beginnt, kann sich zu etwas viel Tieferem entwickeln. Für Kowa-Ambassador Justin Carr wurde ein Kindheits-Hobby zu einer lebenslangen Reise - hin zur Perfektionierung der Kunst der Digiskopie. Von den ersten Vogelaufnahmen mit einer Videokamera in den 90er Jahren bis hin zu professionellen Flugaufnahmen von Seevögeln mit hochwertigem Equipment - Justins Leidenschaft ist in jedem einzelnen Bild spürbar.
Wir haben ihn im Attenborough Nature Reserve der Nottinghamshire Wildlife Trust getroffen. Dort hat er Einblicke, Tipps und persönliche Geschichten mit uns geteilt – eine inspirierende und lehrreiche Erfahrung für alle, die in die Welt der Digiskopie einsteigen möchten.
Von Wochenendspaziergängen zu Naturfilmen
Justins erste Begegnungen mit der Vogelbeobachtung verdankt er seinen Großeltern, die ihn an Wochenenden und Abenden mit nach draußen nahmen. Diese frühen Erlebnisse weckten eine Leidenschaft, die bis heute anhält. Mitte der 90er Jahre führte ein spontaner Camcorder-Kauf zu einer überraschenden Erkenntnis: In Kombination mit einem Spektiv konnte die Videokamera erstaunlich scharfe Aufnahmen liefern. Diese Entdeckung war der Startschuss für Justins Reise in die Welt der Digiskopie.
Die Herausforderung: fliegende Vögel fotografieren
Es war nicht nur die Schönheit der Vögel, die Justin faszinierte - sondern auch die Schwierigkeit, sie in Bewegung festzuhalten. Fliegende Vögel stellen eine ganz besondere Herausforderung dar: Es gibt keinen Autofokus, auf den man sich verlassen kann, und keine zweite Chance. Alles erfolgt im manuellen Fokus – das erfordert volle Konzentration und viel Übung im Umgang mit schnellen Reaktionen. Schnelllebige Motive zu filmen, sei es ein Vogel, der durch den Himmel gleitet, oder ein Hase, der über ein Feld sprintet – verlangt höchste Präzision und Geduld.
Einige Erinnerungen bleiben für immer. Für Justin war ein Highlight der Moment, in dem er mit nichts weiter als einem Fernglas und einer Kamera einen Schmetterling im Flug festhalten konnte. Ein weiterer unvergesslicher Augenblick: die Aufnahme eines Schwarzbrauenalbatros - eine absolute Seltenheit in britischen Gewässern - der nur wenige Meter an einer Gruppe verblüffter Vogelbeobachter vorbeiflog. Solche Erlebnisse machen die langen Stunden und frühen Morgenstunden mehr als lohnenswert.
Das Kowa TSN-88 PROMINAR: Ein zentrales Element
Im Mittelpunkt von Justins Ausrüstung steht das Kowa TSN-88 PROMINAR Spektiv. Ausgestattet mit einer reinen Fluoritkristall-Objektivlinse liefert es eine unvergleichliche optische Klarheit – selbst bei voller Vergrößerung. Das Dualfokussystem mit Grob- und Feintrieb ist entscheidend, um schnell zwischen verschiedenen Distanzen zu wechseln und bewegte Vögel zuverlässig im Fokus zu halten. Auch das gerade Gehäusedesign, das in der Handhabung einer DSLR mit Teleobjektiv ähnelt, ermöglicht eine schnellere Zielerfassung – ein klarer Vorteil bei der Arbeit mit unberechenbarer Tierwelt.
Justin arbeitet ausschließlich mit manuellem Fokus. Um seine Motive besser verfolgen zu können, nutzt er die Fokus-Peaking-Funktion seiner Kamera – eine visuelle Hilfe, die fokussierte Bereiche farbig hervorhebt. Seine bevorzugte Farbe ist Blau, da sie sich gut vom grünen Hintergrund abhebt. Der Schlüssel, so erklärt er, besteht darin, diesen blauen Schimmer um das bewegte Motiv – besonders im Flug – konstant sichtbar zu halten. Seine Technik: Mit dem Grobfokus des TSN-88 schnell in die Nähe des Schärfepunkts gelangen und dann mit dem Feintrieb präzise nachjustieren – eine Methode, die durch jahrelange Übung zur zweiten Natur geworden ist.
Ausrüstung, die überzeugt
Bei der Kamera setzt Justin auf das Micro-Four-Thirds-System – insbesondere auf Modelle von Panasonic Lumix wie die GH5. Dank des 2-fachen Crop-Faktors rücken weit entfernte Motive näher heran, ohne dass die Bildqualität darunter leidet. Für eine stabile und präzise Verbindung zwischen Spektiv und Kamera sorgt der Kowa Digiskopie-Adapter TSN-DA10. Ein Gimbal-Stativkopf ermöglicht zudem flüssige, gleichmäßige Bewegungen bei der Nachführung.
Außerdem nutzt Justin ein externes Mikrofon, um Windgeräusche zu minimieren – ein kleines Detail mit großer Wirkung beim Ton in offenen Umgebungen.
Licht, Wind und der perfekte Moment
In der Tierfotografie kommt es auf das richtige Timing an. Justin bevorzugt Aufnahmen früh am Morgen oder spät am Abend – wenn die Sonne tief steht und Schatten dem Bild mehr Tiefe verleihen. Zu diesen Tageszeiten ist es außerdem oft windstiller, was ruhigere Wasserflächen und bessere Spiegelungen bedeutet. Die grelle Mittagssonne und stärkere Böen hingegen versucht er zu vermeiden. Ein weiterer Vorteil der frühen Stunden: Die Luft flimmert noch nicht durch aufsteigende Hitze – ideal, um auch weit entfernte Motive gestochen scharf aufzunehmen. Ein Grund mehr, den Wecker früh zu stellen.
Digiskopie für Einsteiger: Klein anfangen, groß denken
Justins Rat an alle, die neu in die Digiskopie einsteigen: Fangt mit dem Smartphone an. Mit einem guten Adapter lassen sich auch mit dem Handy erstaunlich gute Ergebnisse erzielen – vor allem bei ruhigen Motiven. Da Smartphone-Kameras immer leistungsfähiger werden, sind sie ein idealer Einstieg in die Welt der Digiskopie.
Wenn es allerdings darum geht, bewegte Motive zu verfolgen, bietet ein dediziertes Kamerasystem deutlich mehr Kontrolle, Geschwindigkeit und Bildqualität. Justin ermutigt Einsteiger, zunächst mit dem zu arbeiten, was sie haben, sich mit der Technik vertraut zu machen und dann schrittweise aufzurüsten.
Auf die Frage, wie er es schafft, regelmäßig solch beeindruckende Aufnahmen zu machen, verweist Justin auf Muskelgedächtnis. Jahre der Übung haben seine Reflexe geschärft – er kann Motive entdecken, fokussieren und verfolgen in einer fließenden Bewegung. Doch er betont: Das kann jeder lernen.
Digiskopie bedeutet vor allem, präsent zu sein, Zeit zu investieren – und zu lernen, nicht nur durch die Linse, sondern auch mit dem Auge eines Vogelbeobachters zu sehen.