Von Yorkshire nach Neuseeland: Paul Wheatleys Digiskopie-Abenteuer rund um den Globus
Paul Wheatley ist leidenschaftlicher Birder, Naturschützer und Kowa Ambassador. In diesem Interview erzählt er von seiner Reise vom britischen Bradford bis in die faszinierende Tierwelt Neuseelands – immer mit dem Smartphone und Kowa-Spektiv im Gepäck.
Du bist einer unserer neueren Botschafter – was sollten unsere Follower über dich wissen?
Ich bin leidenschaftlicher Birder seit meiner Kindheit, ehrenamtlicher Naturschützer und begeisterter Digiskopierer. Besonders gerne filme ich Vögel in Zeitlupe. Slowmo-Digiskopie ist eine großartige Möglichkeit, einen Einblick in das Verhalten von Vögeln zu bekommen – so, wie es in Echtzeit gar nicht möglich wäre.
Was hat dich dazu inspiriert, Neuseeland als zweiten Wohnsitz zu wählen?
Das Land bietet eine einzigartige Tierwelt und atemberaubende Landschaften - ich wollte schon so lange dorthin. Und natürlich spielt auch meine neuseeländische Freundin eine Rolle!
Wie würdest du die Tier- und Vogelwelt Neuseelands beschreiben?
Absolut einzigartig! Wild lebende Kiwis zu erleben war einfach magisch, und ich hatte das Glück, drei der fünf Arten zu sehen – darunter den extrem seltenen und scheuen Okarito Kiwi. Die heimische Vogelwelt hat stark unter eingeführten invasiven Arten gelitten, aber es gibt inzwischen fantastische Naturschutzprojekte, die Hoffnung machen. Ich habe eine Zeit lang in Wellington gelebt, wo das Zealandia-Naturreservat und der großartige Einsatz vieler Freiwilliger dazu geführt haben, dass heimische Vogelarten in die Stadt und die Umgebung zurückkehren.
Wo wurde dein Falken-Video aufgenommen, wie weit war das Motiv entfernt und welches Spektiv hast du verwendet – und warum?
Wenn man ans andere Ende der Welt reist, ist ein leichtes Spektiv Gold wert – deshalb habe ich das Reisespektiv TSN-55 mitgenommen. Ich folgte dem Rat von Kowa-Botschafter Paul Hackett, der von diesem Spektiv schwärmt. Ich war anfangs skeptisch, ob es sich gut für die Digiskopie geeignet – aber Paul kennt sich aus, und ich war erleichtert, wie gut sich das 55er schlägt. (Zum Artikel)
Ich liebe Greifvögel – in Neuseeland gibt es davon allerdings nicht viele. Der Kārearea, der neuseeländische Falke, war daher eine tolle Entdeckung. Wie viele einheimische Arten hat auch der Kārearea in der Region Wellington ein Comeback gefeiert. Zusammen mit lokalen Birding-Freunden habe ich mehrere Nistpaare in der Stadt aufgespürt. Das Video ist eine Zusammenstellung dieser Begegnungen.
Neuseeländische Vögel sind etwas zutraulicher als in meiner britischen Heimat, daher war ich beim Filmen oft recht nah dran – zumindest nach meinem Empfinden. Die urbanen Kārearea sind recht menschenfreundlich, aber zur Brutzeit können sie auch mal Angriffe fliegen, wenn man ihnen zu nahe kommt. Dank meines Digiskopie -Setups konnte ich aus sicherer Distanz filmen, ohne die Vögel zu stören, und dennoch tolle Aufnahmen machen. Einige Male kamen Jungvögel beim Jagen von Zikaden direkt neben mir zu Boden - Digiskopie auf 3 Meter Entfernung ist eine echte Herausforderung!
Was gehört derzeit zu deinem Digiskopie-Setup?
Ich verwende ein iPhone15Pro mit dem Smartscope Vario Adapter und Spektiven von Kowa. Ein besonders wichtiger Teil meines Setups ist ein am Arm befestigtes Leuchtpunktvisier, das ganz neue Möglichkeiten eröffnet – vor allem für das Filmen von fliegenden Vögeln.
Welchen Rat würdest du jemandem geben, der mit Digiskopie anfangen möchte?
Einfach loslegen und ausprobieren! Am Anfang kann es etwas knifflig sein, aber mit etwas Übung ist es unglaublich lohnend. Ich liebe es, wie Digiskopie das Beobachten unterstützt – nicht nur als fotografisches Mittel, sondern als echte Erweiterung des Birdings. Ich habe eine kostenlose Website mit Tipps rund ums Phonescoping erstellt: 👉 phonescoping.org – dort teile ich meine Erfahrungen zu Ausrüstung, Aufnahme und Bearbeitung.
Was ist dein bisheriges Lieblings-Digiskopie-Video?
Bereits 2018 habe ich ein Wasserralle gefilmt, die spektakuläres Verhalten zeigte – sie schwamm und tauchte, um Fische zu fangen. Ich nutzte damals ein iPhone 6S an einem düsteren Wintertag, also ist die Bildqualität nicht überragend. Aber was für eine Szene! Ich bezweifle, dass ich so etwas je wieder sehe. Diese normalerweise scheue Art tauchte ins Wasser, schwamm in die Mitte eines Kanals und fing dort Fische. Besonders schwierig war der Ort: Ich filmte durch winzige Lücken in einer Beobachtungswand – auf Hüfthöhe.
Ich sollte wohl auch eine Flugaufnahme erwähnen: Kaum ein Vogel ist so schnell und wendig wie die Trauerseeschwalbe – sie beim Jagen in der Luft zu filmen ist eine echte Herausforderung.
Was macht das Digiskopieren von fliegenden Vögeln besonders herausfordernd?
Ohne Sucher oder Möglichkeit zum Herauszoomen ist es schon schwer genug, den Vogel überhaupt im Bild zu halten, bevor er wieder außer Sicht ist! Seit ich ein Leuchtpunktvisier verwende, hat sich alles verändert – das ist ein echter Game Changer fürs Phonescoping. Auch die manuelle Fokussierung macht es schwierig, gute Ergebnisse zu erzielen – daran führt aber kein Weg vorbei. Ich sage immer: Die wichtigste Fähigkeit ist das Schneiden. Wenn man die Aufnahmen durchgeht und eine Szene findet, bei der Fokus und Bildausschnitt für ein paar Sekunden perfekt sind, ist das extrem befriedigend. Vieles landet aber auch im digitalen Papierkorb!
Wie unterscheidet sich das Digiskopieren zwischen Großbritannien und Neuseeland – hinsichtlich Licht, Dunst und Wetterbedingungen?
Die Wetterbedingungen sind oft erstaunlich ähnlich, aber die größte Herausforderung in Wellington ist der Wind. Durch die Cookstraße pfeift der Wind regelmäßig – das bringt jede Menge Vibrationen aufs Stativ. Glücklicherweise macht moderne Software große Fortschritte, und ich konnte damit einige ansonsten gute Aufnahmen retten, indem ich die Vibrationen herausgerechnet habe.
Was war dein bisher unvergesslichstes Naturerlebnis?
Schwer zu sagen – allein im letzten Jahr habe ich zum ersten Mal einen Superb-Lyrebird singen gehört, beim Kochen in Wellington Orcas aus dem Küchenfenster gesehen (!) und nach fünf Stunden Suche in völliger Dunkelheit Okarito-Kiwis bei der Balz belauscht. Aber ehrlich gesagt war das Magischste das Beobachten von Wanderfalken über eine Nestkamera!
Ich habe in den letzten Jahren ein eigenes Naturschutz- und Bildungsprojekt für Wanderfalken aufgebaut. Unser erster Erfolg war, dass ein Paar die Nistbox auf einem 70 Meter hohen Schornstein einer alten Seidenfabrik in Bradford angenommen hat. Ein riesiges Projekt mit vielen Herausforderungen – aber die Falken beim Balzen im Nest zu beobachten, war der absolute Lohn für die Mühen. Mittlerweile haben sie zwei Küken – und es geht ihnen hervorragend.